Langeweile-Surfen auf Veranstaltungen - 
Soll ich die Internetverbindung als Veranstaltungsplaner stören?

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Einige Veranstaltungsplaner überlegen ernsthaft das Signal der Internetverbindung zu stören, anstelle sich damit auseinanderzusetzen, wie sie das Langeweile-Surfen auf Veranstaltungen gar nicht erst aufkommen lassen.

 

Zunächst einmal sei gesagt, dass jede Veranstaltung etwas mit Lernen zu tun hat. Bereits in der Planungsphase stellen gewissenhafte Veranstaltungsplaner Ziele auf, die mit der Veranstaltung erreicht werden soll.

 

Das könnte sein „Den Umsatz im nächsten Quartal um 20 Prozent zu steigern“ oder „Die Bekanntheit meines Unternehmens innerhalb meiner Zielgruppe um fünf Prozent nach der Veranstaltung zu steigern.“ Um diese Ziele zu erreichen müssen die Veranstaltungsteilnehmer bestimmte Aspekte wahrnehmen, verarbeiten und nachhaltig im Gehirn verankern – die Teilnehmenden müssen lernen.

 

Die Botschaften, die gelernt werden sollen gehen dabei Hand in Hand mit den Zielen der Veranstaltung: Um den Umsatz um 20 Prozent zu steigern, müssen die Vertriebler mit dem Produkt und den Produktinformationen vertraut gemacht werden. Sie müssen die Vorzüge des Produktes also erfahren, erleben und erlernen. Erst dann werden sie auch nach der Veranstaltung das Produkt mit all seinen Vorzügen besser verkaufen können.

 

Die Frage, die sich nun stellt, ist, genügt es einfach ein Informationsschreiben rauszuschicken, das auf das neue Produkt aufmerksam macht oder lade ich zu einer Produktpräsentation ein, in der der Geschäftsführer einen Vortrag über das Produkt hält? Oder mache ich nichts von alledem, schicke Produktproben an meine Vertriebler und lasse sie das ganze selbst ausprobieren?

 

Sie können natürlich alle drei Varianten nehmen – in Zeiten wo permanent die Frage nach der Effektivität und Effizienz von Marketingmaßnahmen gestellt wird, ist jedoch auch hier die Frage nach der Maßnahme angebracht, die wohl am wirkungsvollsten wäre.

 

Die Top 3 der Lerntheorien in aller Kürze

 

Kommen wir zurück zum „Lernen“ und der Frage, „Wie lernen meinen Teilnehmenden?“

Grundsätzlich ist es so, dass man im Wesentlichen drei große Lerntheorien unterscheiden kann:

  • Behavourismus
  • Kognitivismus
  • Konstruktivismus

 

Der Behavourismus geht im Wesentlichen davon aus, dass ein gesetzter Reiz zum gewünschten Lernerfolg führt. Im Falle unseres Beispiels wäre es so, dass der Vortrag des Geschäftsführers dazu führt, dass die Teilnehmenden die Vorzüge des Produktes erlernen, dieses besser verkaufen und der Umsatz gespeichert werden. Lernen im behavouristischen Sinne beruht auf dem Prinzip Belohnung und Bestrafung. Erwünschtes Verhalten wird von Außen belohnt, unerwünschtes Verhalten bestraft.

 

Der Kognitivismus geht davon aus, das Lernen durch die Informationsaufnahme, -verarbeitung und -speicherung erfolgt. Dabei spielen nicht nur äußere Reize eine Rolle, sondern auch das Denken. Lernen erfolgt im Sinne des Kognitivismus durch Einsicht und Erkenntnis. In Bezug auf unser Beispiel würde das bedeuten, dass alle Teilnehmenden den Vortrag des Geschäftsführers aktiv wahrnehmen, die Informationen verarbeiten mit ihren bisherigen Erfahrungen verknüpfen und auch hier eine Umsatzsteigerung im nächsten Quartal statt findet, da alle  Teilnehmenden nach dem Vortrag nun um die Vorzüge des Produktes wissen und dieses nun besser verkaufen können.

 

Nach behavouristischer Argumentation lernen die Teilnehmenden maßgeblich, weil das Prinzip Belohnung oder Bestrafung von Außen greift. Der Geschäftsführer hält den Vortrag, bei Nichtzuhören werden die Teilnehmenden beispielsweise durch öffentliches Bloßstellen bestraft, bei Nicht-Erfüllen des Umsatzzieles wird der Vertriebler durch Kürzung der Provisionszahlungen bestraft.

 

Kognitivistisch argumentiert nimmt der Teilnehmende den Vortrag des Geschäftsführers aktiv wahr, ist in der Lage die Informationen im Gehirn zu verarbeiten und lernt die gewünschten Veranstaltungsbotschaften.

 

80 bis 95 Prozent der Wahrnehmung erfolgt unbewusst

 

Wie kann es nun sein, dass nach dem Vortrag nichts passiert? Das Ziel der Umsatzsteigerung nicht erfüllt wurde, die Vertriebler das Produkt aber nicht einmal in Kundengesprächen erwähnen? 80 bis 95 Prozent dessen, was ihre Teilnehmenden wahrnehmen, erfolgt unbewusst. Das bedeutet, das aktive Wahrnehmung per se fast unmöglich ist. Und hier kommt der Konstruktivismus ins Spiel. Letzten Endes ist das Gehirn ein Bewertungs- und Steuerungssystem, was uns durch das Leben führt – das Überleben sichert. Im Rahmen dieses Bewertungs- und Steuerungssystems werden die Reize aufgenommen, die das Gehirn als (be)lohnenswert erachtet wie Überraschungen, Geschenke, Neues oder Anerkennung. Reize, die als Bestrafung eingestuft werden, werden deshalb versucht zu vermeiden. Wenn der Vortrag die Teilnehmenden langweilt, löst das Desinteresse aus und die Teilnehmenden suchen etwas, um diese Langeweile zu unterbrechen – für gewöhnlich ist das heutzutage das internetfähige Smartphone.

 

Da das Bewertungs- und Steuerungssystem eines jeden Menschen unterschiedlich im Hinblick auf Emotionen, Kultur, Sozialisation und Erfahrung geprägt ist, nimmt jeder Teilnehmende unterschiedliche Aspekte während einer Veranstaltung wahr und interpretiert diese auch unterschiedlich.

 

Wirkungssichere Veranstaltungen existieren (noch) nicht

Für die Veranstaltungsorganisation bedeutet das, das es keine Wirkungssicherheit gibt. Egal, was sich der Veranstaltungsplaner überlegt, das Gehirn als selbstreferentielles, autopoietisches System, entscheidet unbewusst, wo die Wahrnehmung hingeht und mit welchen Botschaften und Informationen es sich auseinandersetzt. Erst dann, wenn das Gehirn quasi vor einem Handlungsdruck steht, wird sich auch die Wahrnehmung auf das Erlernen der Veranstaltungsbotschaften und lenken lassen.

 

Zwingen Sie die Teilnehmenden zu ihrem Glück

Die Lenkung der Wahrnehmung, die Verarbeitung der Botschaften und die gewünschten Reaktionen in Form von Mehrverkauf des Produktes, erfolgt also maßgeblich durch persönliches Erfahren, Erleben und Interpretieren. Und genau da setzen partizipative Veranstaltungsformate wie World Café, BarCamp oder Open Space an. Selber machen und selbst aktiv werden lenkt die Wahrnehmung und kann den Lernprozess fördern.

 

Was bleibt also – Vortrag, Infoschreiben, Produktproben?

Nichts von allem - es sei denn, Geld spielt keine Rolle. Wenn Sie wirkungsvollere Kommunikationsmaßnahmen umsetzen möchten, müssen Sie sich mit dem WIE des Lernens beschäftigen. Das bedeutet, dass sowohl ein reiner Vortrag als auch das bloße Infoschreiben zwar flankierend eingesetzt werden können, wirkungsvoller wäre es aber, wenn Sie die Produkte, deren Vor- und Nachteile in kommunikativen Runden oder mit Hilfe von partizipativen Veranstaltungsformaten erlebbar und somit erlernbar machen. Damit vermeiden sie auch, dass sich das Gros der Teilnehmenden auf Grund von Vortragslangeweile dem Smartphone zuwendet und sie kommen auch nicht in die Verlegenheit bereits vor der Veranstaltung zu überlegen, ob sie die Internetverbindung im Saal stören.

 

Zusammenfassung

 

Jede Veranstaltung geht mit einem Lehr-Lern-Prozess einher. Die Teilnehmenden sollen bestimmte Botschaften lernen und dementsprechend handeln. Das Ergebnis dieses Lehr-Lern-Prozesses ist noch immer wirkungsunsicher. Das Gehirn entscheidet als Bewertungs- und Steuerungssystem, welche Reize es als lohnenswert erachtet. Diesen Reizen wenden sich die Teilnehmenden dann auch zu. Reize, die als „Bestrafung“ eingestuft werden, werden vermieden. Langeweile gehört beispielsweise dazu. Wenden sich ihre Teilnehmenden also eher dem Smartphone zu, hat das Gehirn den Reiz z.B. den Vortrag als nicht lohnenswert eingestuft und ist nun auf der Suche nach Stimulation. Selber machen und erleben, zwingt das Gehirn die Wahrnehmung auf die Veranstaltung und deren Botschaften zu lenken. Der informelle Austausch mit anderen Teilnehmenden fördert zudem den Lernprozess. Partizipative Veranstaltungsformate wie World Café, BarCamp oder Open Space sind durch selber machen und selber erleben geprägt und können so die Effektivität ihrer Veranstaltung steigern.

 

Steigern auch Sie die Effektivität ihrer Veranstaltung mit partizipativen Veranstaltungsformaten!

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Doreen Biskup, 15.03.2016

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